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Soldaten- und Reservistenkameradschaft

Am 16. Dezember 1888 trafen 18 Veteranen der Kriege von 1866 und 1870/71 in Brand zusammen und gründeten den "Veteranen- und Krieger - Verein".
Ziel dieser Vereinigung war die Pflege der Kameradschaft und die gegenseitige Unterstützung in Notfällen. Dieser soziale Gesichtspunkt kommt in Punkt 5 der Vereinssatzung zum Ausdruck. Dieser besagt: "Unterstützung der alten Erwerbsunfähigen, nachweislich vermögenslosen Veteranen, welche aber mindestens 3 Jahre Mitglied des Vereins waren."
Ansonsten waren die Ziele des Vereins zeitbedingt formuliert. So etwa:
"Erstarkung des monarchistischen Prinzips und Liebe und Treue zu Kaiser, König und Vaterland",
"Das Band der Waffengemeinschaft und der Kameradschaft sowie den echten militärischen Geist und die Liebe zum Waffendienste auch im bürgerlichen Leben zu erhalten und fortzupflanzen".

Als 1. Vorsitzender wurde damals Christof Würstl aus Ölbrunn gewählt.

Seit diesem Jahr besteht die Kriegerkameradschaft in Brand, wenn auch mit wechselhafter Geschichte und wandelnden Vereinsnamen.

Die Zeit bis zum 1. Weltkrieg war gekennzeichnet von großer Kaisertreue der Mitglieder. Die Kaiseridee war der Zentralpunkt und die Voraussetzung des Zusammenhalts des neuentstandenen Deutschen Reiches. Damit wurde auch der Gegensatz zwischen dem Königreich Bayern und dem Königreich Preußen überbrückt. Dies schloß die Verbundenheitmit dem Bayerischen Könighaus mit ein. 1889, also schon ein Jahr nach der Gründung, beteiligten sich die Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins an der Beerdigung der Königin - Mutter Marie. Das Protokollbuch vermerkt: " Feierlichkeiten - Am 17. Mai 1889 starb ihre Majestät die Königin Mutter Marie, der hiesige Veteranen- und Kriegerverein beteiligte sich mit dem V.& Kr.V. zu Ebnath stattgefundenen Trauergottesdienste. Der hiesige Verein marschierte mit der Feuerwehr mit Musik nach Ebnath, wo der V.& Kr.V. Ebnath und der Feuerwehr dortselbst einen stattlichen Kirchzug präsentieren, der von vielen allgemein bewundert wurde und die Verherrlichung von Festen durch die Vereine in annerkennenswerter Weise zeigt."
Die Teilnahme an dieser Feierlichkeit erfolgte noch ohne eigene Vereinsfahne. Diese wurde dann 1894 angeschafft und die Fahnenweihe am 17. Juni 1894 in feierlicher Form durchgeführt. Diese Fahnenweihe war eines der frühesten großen Feste der Gemeinde Brand.

Der 1. Weltkrieg brachte einen großen Einschnitt. Mit Begeisterung meldeten sich die jungen Männer zur Front. Doch der Krieg unterschied sich durch die Technisierung total von allen bisher dagewesenen Kriegen. Die Verluste waren auf allen Seiten ungeheuer hoch.
Das Protokollbuch verzeichnet bis zum Jahre 1919 keine Einträge. Durch die Kriegsereignisse war das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen gekommen.

1919, nach Kriegsende, wurde die Vereinstätigkeit wieder aufgenommen. Die erste Generalversammlung nach dem Kriege wurde am 5. Januar 1919 abgehalten. Dabei waren 27 Neuaufnahmen zu verzeichnen. Als neuer Vereinsvorsitzender fungierte Ignaz Daubner, Kaufmann aus Brand. Ein Hauptproblem der damaligen Zeit, wie aus dem Protokollbuch hervorgeht, stellten die Finanzen des Vereins dar.

Das Kriegserlebnis hatte zu einer Beitrittswelle geführt, die Teilnahme an Versammlungen und die Aktivitäten ließen aber bald merklich nach. Die Mitglieder hatten eine Vielzahl von Problemen wirtschaftlicher Art, wie etwa die hohe Arbeitslosigkeit und der Inflation. Trotzdem wurde 1922 ein erster Gedenkstein für die Opfer des Krieges aufgestellt.
Am 24. Und 25. Juni 1928 wurde dann das 40-jährige Stiftungsfest abgehalten.
Daran beteiligten sich 29 Vereine. Besonders geehrt wurde dabei das einzig noch lebende Mitglied, das den Feldzug von 1870 mitgemacht hatte, nämlich Johann Bothner von Fuhrmannsreuth.

Während der Phase des Nationalsozialismus hatte der Verein seinen Namen zu ändern.
Dies geschah aber insgesamt öfter.
So lassen sich bis 1938 folgende Bezeichnungen feststellen:.
   1888 Veteranen- und Kriegerverein, Brand Pfarrei Ebnath
   1922 Veteranen- und Kriegerverein, Brand/OPF
   1926 Bay. Kriegerbund-Landeskriegerbund-Veteranen-Krieger-Verein
   1934 Krieger- Soldatenkameradschaft im Kyffhäuserbund
   1935 Deutscher Reichskriegerbund
   1938 NS-Kriegerbund

Während des 3. Reiches zeigt das Protokollbuch den deutlichen Einfluß der herrschenden Doktrin. Die Beteiligung an Versammlungen ließ aber nach.
Wiederholt wurde in den Protokollen darüber Klage geführt. 1934 bricht das Protokollbuch ab, das Vereinsleben kam mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, im September 1939, dann fast völlig zum Erliegen.

Die Opfer des Krieges waren unvorstellbar.
Die Liste der Gefallenen und Vermißten stieg von Kriegsjahr zu Kriegsjahr.
Zwischen 1945 und 1952 ruhte das Vereinsleben.

1952 erfolgte die Wiedergründung. 23 frühere Mitglieder erklärten ihre weitere Mitgliedschaft, 19 Neuaufnahmen erfolgten. Damit war das Weiterbestehen der Krieger- und Soldatenkameradschaft gesichert. Die Neubeginnjahre waren durch einen guten Zusammenhalt gekennzeichnet.
1954 konnten durch Unterstützung des Fabrikanten Fritz Ehmann einheitliche Kopfbedeckungen angeschafft werden.

Im Juli 1958 wurde das 70-jährige Gründungsfest gefeiert und dabei die altehrwürdige, aber schadhaft gewordene Fahne außer Dienst gestellt und eine neue Fahne gefertigt. Die Fahnenweihe wurde festlich begangen. Als Fahnenjunker der alten Fahne fungierte Otto Reiß, Begleiter waren Johann Graf und Hans Heser. Die neue Fahne übernahmen: Josef Brunner, Dionys Schindler und Gerhard Sieber.
Die Fahne wurde anläßlich des 1979 fälligen 90-jährigen Jubiläums renoviert.

Das Fest wurde ein großer Erfolg für die Kameradschaft. Die Schirmherrschaft hatte Oberstleutnant Eberhard Freiherr von Waldenfels übernommen. Beim Festzug waren
46 Vereine anwesend.

Der Verein nahm durch die Zugänge der ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr wieder eine Aufwärtsentwicklung, nachdem nach 1959 ein Abwärtstrend eingesetzt hatte. Die Mitgliederentwicklung stellte sich wie folgt dar:

Das Jahr 1979 stellte auch einen Generationswechsel in der Kameradschaft dar.
Erstmalig übernahm ein Reservist der Bundeswehr die Vereinsführung.
Dieter Würstl hatte kurz vorher die Vereinsführung übernommen.
Als erster Reservist der Bundeswehr trat 1974 der Ofw Felix Krieg der Kameradschaft bei.

Überblick über die Mitgliederentwicklung:
1888 - 18 Mitglieder
1900 - 35 Mitglieder
1922 - 44 Mitglieder
1932 - 50 Mitglieder
1952 - 42 Mitglieder
1954 - 70 Mitglieder
1958 - 75 Mitglieder
1973 - 60 Mitglieder
1980 - 74 Mitglieder
1982 - 77 Mitglieder
1999 - 62 Mitglieder

1963 wurde von der Kameradschaft eine Salutkanone angeschafft. Diese wird bei feierlichen Anlässen oder bei Beerdigungen eingesetzt. Erstmals wurde am Fronleichnamsfest, am 13.06.1963 geschossen.

1979 trat der Verein dem DSKB-Kreisverband Kemnath bei. Das hatte die Änderung des Namens in
Krieger- und Soldatenkameradschaft Brand zur Folge.

1987 nahmen der damalige Vorsitzende Dieter Würstl und der damalige 2. Vorsitzende Dr. Bernd Thieser Verbindung mit Captain Earl S. Morgan von der HHC GTA Grafenwöhr Kontakt auf. Ziel war eine Patenschaft zwischen der Krieger- und Soldatenkameradschaft und der amerikanischen Einheit aufzubauen. Daraus entwickelten sich langjährige Freundschaften. Nach der Rückkehr von Captain Earl S. Morgan wurde die Patenschaft von dessen Nachfolgerin Captain Rosado fortgeführt.

1989 übernahm der Kommandeur des Truppenübungsplatzes Colonel Washington Sanchez die Patenschaft der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Vereinsjubiläum. Dabei wurden auch die offiziellen Patenschaftsurkunden ausgetauscht. Viele gemeinsame Aktivitäten kennzeichneten die Phase der
deutsch-amerikanischen Patenschaft. Nach dem Golf - Krieg wurde die HHC - GTA aufgelöst und eine gut funktionierende Patenschaft fand so ein Ende.

1998 Reservisten in Brand aktiv.
Mit einem Paukenschlag begann die neugegründete Reservistenkameradschaft Brand ihre Aktivitäten. 1998 hatten einige Mitglieder der Kriegerkameradschaft Brand mit gutem Erfolg an einem Orientierungslauf des Heimatschutzbataillons 862 (Oberpfalz) teilgenommen.
Dabei wuchs die Idee, in Brand eine eigene Reservistenkameradschaft zu gründen. Unter Federführung von Reinhold Schultheiß traf man sich zu Vorbereitungstreffen und schnell wurde deutlich, daß die Idee auf großes Interesse stieß.

Am 19.September 1998 wurden unter Beteiligung von Dr. Bernd Thieser, Willibald Würstl, Horst Schebitz , Albert Pürner, Georg Schwab, Bernhard Schultes, Johannes Kastl und Reinhold Schultheiß die Grundlagen der Gründung gelegt
Die offizielle Vorstellung der Reservisten sollte dann aber mit einem militärischen Ereignis verbunden werden.
Dazu wurde wiederum die Wehrübung der oberpfälzischen Heimatschutzbataillons genutzt. Die dort übenden Offiziere und Unteroffiziere hatten außer den Ausbildungsvorhaben und einem Vergleichsschießen mit Amerikanern in Grafenwöhr, auch einen Leistungsmarsch zu absolvieren. Dazu hatte der Kommandeur, Oberstleutnant d.R. Dr. Bernd Thieser, die örtlichen Reservistenkameradschaften zur Teilnahme eingeladen. Mannschaften der Reservistenkameradschaften aus Fuhrmannsreuth und Brand nahmen teil.
Klar war, dass die Reservisten ihre Ortskenntnisse voll zum Tragen bringen würden. So gelang es beiden Kameradschaften, die gestellten Aufgaben Marsch nach Karte, Überqueren eines Gewässers mit einem Seilsteg, Schießen mit dem Gewehr G3 (mit Einsteckrohr KK), Überqueren eines Gewässers mit Schlauchboot, Werfen von Übungshandgranaten und zusätzlicher Beantwortung von Fragebögen zur Panzer-, Flugzeugerkennung und Staatsbürgerkunde sehr gut zu absolvieren.
Die Mannschaft aus Brand zeigte während des Marsches durchgängig gute Kameradschaft und wurde mit einem respektablen 4. Platz belohnt.
Am Abend nach einem Appell auf dem Schulhof rückte man in den Mehrzwecksaal ein und empfing die Abendverpflegung, die aus einem kräftigen Gulasch bestand.
Anschließend folgte die Siegerehrung und die offizielle Gründung der Reservistenkameradschaft Brand.
Diese nahm Oberst d.R. Josef Hardt, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz vor. Dieser nahm an der Spitze einer Delegation von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften als Gäste am Kameradschaftsabend teil. Viele Gespräche wurden geführt und die Kameradschaft gepflegt.
Die Integration der Reservisten in die Kameradschaft hatte einen erneuten Namenswechsel zur Folge.
Die einzelnen Namensänderungen seien hier noch einmal dargestellt und begründet:

Namensänderungen in der Geschichte der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Brand
      1889 "Veteranen- und Krieger Verein Brand"
      Dabei bezieht sich der Begriff "Veteran" auf die Teilnahme der Feldzüge von 1860/61,
      der Begriff "Krieger" auf die Teilnahme des dt.-franz. Krieges von 1870/71

      1934 "Krieger- und Soldatenkameradschaft Brand im Kyffhäuser - Bund"
      Dabei bezieht sich der Begriff "Krieger" auf die Teilnahme des dt.-franz. Krieges 1870/71
      und der Begriff "Soldat" auf die Teilnahme des Krieges von !914-1918.

      1938 "NS Reichskriegerbund

     1952 "Veteranen- und Kriegerverein Brand"

     1966 "Veteranen- und Soldatenverein Brand"

      1979 "Krieger- und Soldatenkameradschaft Brand"
      Dabei bezieht sich der Begriff "Krieger" auf die Teilnehmer des Weltkrieges von 1914-1918,
      der Begriff "Soldaten" auf die Teilnehmer des Krieges von1939-1945.
      Die in der Bundeswehr gedienten Reservisten werden in der Namenszeichnung noch nicht erwähnt.
      Sie spielen aber im Vereinsleben eine immer größere Rolle.

     1999 "Soldaten- und Reservistenkameradschaft Brand"
     Dabei bezieht sich der Begriff "Soldat" auf die Teilnahme des Weltkrieges von !939-1945,
     der Begriff "Reservist" auf die in der dt. Bundeswehr gedienten Mitglieder. Damit wird auf die immer              stärker werdende personelle Gruppe der ehemaligen Bundeswehrangehörigen, der freiwilligen und der          mob. Verplanten Reservisten innerhalb des Vereins Rücksicht genommen.

Die Soldaten- und Reservistenkameradschaft Brand erfüllt also seit nunmehr über 100 Jahren ihre wechselvollen Aufgaben.

Fortsetzung folgt